Menschenwerk
         
 
 
  Durchschlagender Wunsch  
 
  Gläserne Zeit in gläserner Welt:
blutleer und kalt der Mensch sich verhält.
 
 
  Wie kann ich durchbrechen
den Käfig aus Glas,
das Zauberwort sprechen,
  Seelenblumen
  das man vergaß,
Gefühle vergeben,
warm Lichter entzünden,
erwecken zum Leben,
die Liebe verkünden?
  Aus meiner Seele wachsen keine Rosen,
die sich voll Stolz mit spitzen Dornen wehren,
denn meine Seele zieren nur Mimosen,
die still, sensibel Frieden nur begehren.
 
 
 
  Kollektives Versagen  
 
  Ihr herzhaftes Lachen
  Ohnmacht Hiroshima  
  verkannten die Dummen  
  und nannten sie "kindisch",
das ließ sie verstummen.
"Sie redet ganz unnütz,"
so hörte man sagen,
  Amsellied und Sonnenschein,
Hoffnungslicht und Fröhlichsein
blieben voll Erschrecken
jäh im Halse stecken.
 
  da wurde sie schweigsam  
  und mocht' nichts mehr wagen.
Sie fragte zu häufig,
wollt' alles verstehen,
vertröstet auf später
  Gleißend heller Bombenschein
sprengte Todesnacht herein.
Arsenal der Feigen
brachte ew'ges Schweigen.
 
  so ließ man sie gehen.  
  "Du bist zu sensibel,"
so hat man befunden,
da weinte sie heimlich
in schmerzvollen Stunden.
  Hilflos ungehörtes Schrei'n
unzählbarer Quälerei'n,
die in vieler Leben
nie mehr Ruhe geben.
 
  Den Aufschrei nach Hilfe  
  "hysterisch" man nannte,
so schrie nur die Seele,
die vielfach verkannte.
Und als sie ersäufte
  Jedes Ausmaß von gemein
höllisch hier im Stelldichein,
qualvoll im Verderben
vorm Erlösungssterben.
 
  die vielen Probleme,  
  da zwang zum Entzug man
die nicht mehr Bequeme.
Man kriegte sie trocken,
um neu zu beginnen,
  Amsellied und Sonnenschein
könnten voller Frieden sein,
würde dieser Schrecken
Schuldgefühl erwecken.
 
  und half ihr doch niemals,  
  um Mut zu gewinnen.
So schleicht sie sich schließlich
vor lauter Verdrängen
mit Sprung von der Brücke
  Nächstenliebe lädt uns ein
hoffnungstragend zu verzeih'n,
doch das Teufelsstreben
wird nie Ruhe geben.
 
  aus qualvollen Zwängen.  
 
 
Geist-los
 
Wie ein Leuchtturm ohne Licht,
wie ein Segel ohne Wind,
wie ein Auge ohne Sicht,
wie ein elternloses Kind,
wie Maschinen ohne Strom,
wie die Kohle, die nicht brennt,
blieb ich nutzlos ein Atom,
wär' nicht Gottes Geist präsent.
 
 
  Durchblick  
 
  Ich hebe dich, mein kleines Kind,
weil Fenster unerreichbar sind
für einen Blick in diese Welt,
die dir als Kind noch Fragen stellt.
  Widersinnig?  
 
  Doch Fenster sind, mein liebes Kind,
auch für die Großen hoch und blind.
Es fehlt beim Durchschau'n oft der Blick
und wahre Sicht voll Selbstkritik.
  Ich atme Frieden in mich ein
und möcht' ein starker Kämpfer sein
für diesen Frieden,
 
      denn niemals mag ich Krieg versteh'n,  
  Auch du lernst einst, geliebtes Kind,
Erwachs'ne sind oft taub und blind,
  die Kleinen nicht im Elend seh'n,
das Große schmieden.
 
  wenn aus der großen Not der Welt  
  sich etwas vor ihr Fenster stellt.   Drum führ' ich meinen kleinen Krieg  
      und hoffe auf den großen Sieg
für ew'gen Frieden.